Psychotherapie - was ist das eigentlich?

Das weite Feld psychotherapeutischer Methoden ist schwer überschaubar geworden. Die vielen Entwicklungen der letzten Zeit haben zu Unsicherheiten bezüglich der Wahl eines Therapieansatzes geführt. So soll es über 600 verschiedene Psychotherapiearten geben, wobei laufend neue Schulen entstehen. Mit diesem und den Folgebeiträgen möchte ich dazu beitragen, etwas mehr Klarheit in die derzeitige Landschaft von Psychotherapie und Psychologischer Beratung zu bringen.

Unterschiede gibt es bei den Verfahren hinsichtlich vieler Aspekte. So variiert das Menschenbild, die Vorstellung von der Entwicklung einer psychischen Störung sowie die Vorgehensweisen der TherapeutInnen erheblich. Was aber ist eigentlich Psychotherapie? Hier eine Definition, die Hans Strotzka bereits 1975 gegeben hat:

„Psychotherapie ist ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimalisierung und/ oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens.

Aus: Strotzka (Hrsg.:): Psychotherapie: Grundlagen, Verfahren, Methoden. Urban & Schwarzenberg 1975)

Für mich ist die Psychotherapie eine Form der Begleitung und Unterstützung bei der Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts. Es kann dabei um die Aufarbeitung biographischer Themen gehen, um das Entdecken und Bearbeiten von Handlungsmustern oder auch um die Entwicklung konstruktiver Handlungsstrategien, um so eine größere Freiheit im gegenwärtigen Handeln zu erlangen. Ziele einer Psychotherapie sind meines Erachtens die Bewältigung von Krankheitssymptomen sowie die Steigerung von Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung.

Sollen die Kosten für die Psychotherapie auf jeden Fall von der Krankenkasse übernommen werden, scheiden bereits zahlreiche psychotherapeutische Verfahren und TherapeutInnen aus. Wartezeiten müssen in Kauf genommen werden und die Auswahl beschränkt sich vorrangig auf die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse sowie tiefenpsychologisch fundierte Verfahren.

Der Selbstzahler hat die Qual der Wahl, sich im Therapiedschungel zurechtzufinden. Hierzu ist es ratsam, sich einen Überblick über die wichtigsten Verfahren zu verschaffen und sich darüber klar zu werden, welche Erwartungen man selbst an die Therapie stellt und welche Anliegen.

Je klarer Sie sich über Ihre Erwartungen, Anliegen und Ziele sind, umso erfolgreicher kann die Therapie werden.

Antwort schreiben